Aktuelles

02.03.2017
Armut in Schleswig-Holstein steigt - Anstieg in Risikogruppen - bezahlbarer Wohnraum wird zum Problem

Paritätischer Gesamtverband legt Armutsbericht für 2015 vor
Pressemitteilung des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein vom 02.03.2017

Im aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes wird auf der Grundlage statistischer Daten eine quantitative Aussage zur Armutsentwicklung in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern gemacht. Besorgniserregende Tendenzen lassen sich auch für Schleswig-Holstein ablesen.

Zwar steht Schleswig-Holstein weiterhin auf einem guten 4. Platz im Ranking der Armutsquote (Platz 6 im Vergleich der SGB II Bezugsquoten), doch täuscht diese Platzierung über die Entwicklung und die Verteilung der Armut im nördlichsten Bundesland hinweg.

Im Vergleich zu 2014 ist die Armutsquote in Schleswig-Holstein um 5,8 Prozent gestiegen. Von 13,8 auf 14,6 Prozent stieg der Anteil in der Bevölkerung.

Ein weiteres und schon bekanntes Problem ist die extreme Zerrissenheit des Bundeslandes: Während der Süden – der sogenannte Speckgürtel rund um Hamburg – sehr hohe Einkommen erzielt und nur wenige Menschen arm bzw. im SGB II Bezug sind, sieht es in anderen Regionen deutlich anders aus.

Vor allem die kreisfreien Städte und einzelne Kreise sind stark von Armut betroffen.

Was die Soziodemografie der Armut anbelangt, ist die Armutsquote bei allen bekannten Risikogruppen in 2015 ein weiteres Jahr in Folge angestiegen. Hier sind die Entwicklungen in Schleswig-Holstein ähnlich wie im Bundesvergleich:

Eine signifikante Steigerung der Armutsquote zeigte sich in den Risikogruppen in den letzten zehn Jahren (2005-2015):

  • Alleinerziehende mit einer Quote von 43,8 Prozent
  • Familien mit drei und mehr Kindern (25,2 Prozent)
  • Erwerbslose (59 Prozent)
  • Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau (31,5 Prozent)
  • sowie Ausländerinnen und Ausländer (33,7 Prozent)
  • oder Menschen mit Migrationshintergrund generell (27,7 Prozent)

„Ein Umfeld also, in dem plötzlich allerorten die zunehmende und zu große Ungleichheit in Deutschland problematisiert wird. Angesichts eines immer größeren Anteils der Bevölkerung, der schlicht abgehängt wird von der Wohlstandsentwicklung, gilt es, genau hinzuschauen: Wie ist es um den innersten Zusammenhalt unserer Gesellschaft bestellt, wenn die Ungleichheit immer größer und die Perspektive auf Veränderung immer kleiner wird“, so der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Dr. Ulrich Schneider.

Armut, Menschenwürde, Gleichheit und Gerechtigkeit sind miteinander verwobene Facetten ein und desselben. Es geht um das Menschenbild, das der Armutsdiskussion in einer demokratischen Gesellschaft zugrunde liegt.

Einen speziellen Fokus hat der PARITÄTISCHE Schleswig-Holstein dabei auf das Thema Wohnraum gelegt. „Wenn die Menschen einerseits weniger Geld haben und gleichzeitig die Mieten unaufhaltsam steigen, bleibt am Ende noch weniger übrig. Durch knappen Wohnraum und eine nicht funktionierende Mietpreisbremse entsteht für die Ärmsten in der Gesellschaft eine akute Notlage – bis hin zur drohenden Obdachlosigkeit“, so der Vorstand des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein, Günter Ernst-Basten.

Der Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes will zu einer breiten politischen Diskussion anregen.

Dazu verweisen wir ausdrücklich auch auf die qualitativen Betrachtungen zu bestimmten Gruppen. Der Armutsbericht enthält fundierte Fachartikel zu:

  • Armut Alleinerziehender
  • Armut von Jugendlichen und jungen Erwachsenen
  • Arbeitslosigkeit und Armut
  • Armut im Alter
  • Ausgrenzung und Migrantisierung
  • Armut von Flüchtlingen
  • Psychisch kranke Menschen
  • Menschen mit Behinderung
  • Wohnungslosigkeit und Wohnungsnot
  • Armut und Gesundheit

Renommierte Mitherausgeber und Unterstützer haben ihr Know-how eingebracht:

  • Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V.
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e. V.
  • Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e. V.
  • Deutscher Kinderschutzbund e. V.
  • Deutsches Kinderhilfswerk e. V.
  • Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V.
  • PRO ASYL e. V.
  • Verband alleinerziehender Mütter und Väter e. V.
  • Volkssolidarität Bundesverband e. V.

Kiel, 02.03.2017

Verantwortlich:

Günter Ernst-Basten
Vorstand

Jan Dreckmann
Sozialpolitik & Kommunikation

Der PARITÄTISCHE Schleswig-Holstein
Zum Brook 4
D-24143 Kiel

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