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16.05.2017
Noch nicht in allen Köpfen angekommen / „Gleiches Recht für jede Liebe“

Pressemitteilung des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein zum Internationalen Tag gegen Homophobie am 17. Mai

Es hat sich schon einiges getan in unserer Gesellschaft. Doch noch immer gibt es viele Situationen, in denen homo-, bi- und transsexuelle Menschen in Deutschland von Diskriminierung betroffen sind. Es gibt aber auch viele Widersprüche in der Haltung der Gesellschaft zu Homosexualität und anderen Formen der sexuellen Orientierung bzw. Identifikation. Unter dem Motto: „Gleiches Recht für jede Liebe“ finden am 17. Mai zahlreiche Veranstaltungen zum Internationalen Tag gegen Homophobie statt. Schwerpunkt in diesem Jahr: Flüchtlinge.

Eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland (2017) macht deutlich, dass das „Gleiche Rech für jede Liebe“ noch nicht in allen Köpfen angekommen ist. Demnach sind in der Bevölkerung Vorbehalte und Berührungsängste umso ausgeprägter, je näher das Thema ins Private hineinreicht. So hätte jeweils nur gut jede/r zehnte Befragte ein Problem mit einer lesbischen Arbeitskollegin oder einem schwulen Arbeitskollegen. Wenn dagegen das eigene Kind homosexuell ist, fänden dies rund vier von zehn Befragten eher oder sehr unangenehm.

Andererseits sind Menschen in Deutschland bei zentralen Fragen der rechtlichen Gleichstellung von lesbischen und schwulen Paaren der Politik längst voraus. Mehr als acht von zehn Befragten (82,6 Prozent) sprechen sich eher oder voll und ganz für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare aus. Insgesamt drei Viertel (75,8 Prozent) befürworten es, wenn lesbische und schwule Paare genauso wie heterosexuelle Paare die Möglichkeit erhalten, gemeinschaftlich Kinder zu adoptieren.

Ein besonderes Augenmerk hat man in diesem Jahr auf das Thema Flüchtlinge gelegt. Und das gleich aus zwei Gründen. Zum einen gibt es tatsächliche viele Flüchtlinge, die auf Grund ihrer sexuellen Identität aus ihrer Heimat fliehen mussten. Zum anderen gibt es viele Flüchtlinge, die kein Verständnis für Homosexualität aufbringen.

„Wir sind eine offene Gesellschaft. Genauso wie wir von Deutschen die entsprechende Toleranz einfordern, müssen auch hier lebende Flüchtlinge und Migranten dies akzeptieren. Gleichzeitig wissen wir, dass es auch unter den Deutschen noch lange keinen selbstverständlichen Umgang mit homo-, bi- und transsexuellen Menschen gibt“, so Krystyna Michalski, Referentin beim PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein.

Mit gemeinsamen Begegnungen sollen Vorbehalte und Berührungsängste abgebaut werden.

Anlass zur Sorge bereitet, dass vergleichsweise viele der Befragten vorwiegend negative Gefühle mit einem offenen Umgang mit Homosexualität in der Öffentlichkeit verbinden. Wenn sich zwei Frauen in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zeigen, zum Beispiel indem sie sich küssen, dann ist dies gut einem Viertel der Befragten (27,5 Prozent) unangenehm. Handelt es sich um zwei Männer, die sich küssen, sind es sogar fast vier von zehn (38,4 Prozent). Zum Vergleich: Bei einem Paar aus Mann und Frau wird dieselbe Situation nur von rund 10 Prozent als unangenehm bewertet. Ein offener und sichtbarer Umgang mit sexueller Vielfalt wird also nach wie vor von vielen Menschen als unangemessen oder sogar störend empfunden.

Die zitierte Studie finden Sie unter:
http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Umfragen/Handout_Themenjahrumfrage_2017.html?nn=6575434

Kiel, 11.05.2017


Verantwortlich:

Günter Ernst-Basten
Vorstand

Jan Dreckmann
Sozialpolitik & Kommunikation

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